Selbstbild und Fremdbild – Wer bist du wirklich?

Selbstbild und Fremdbild – Wer bist du wirklich?

Jeder Mensch hat eine bestimmte Vorstellung, wie er sein möchte und darüber, wie er gerade ist. Doch ist dir je aufgefallen, dass diese Wahrnehmung nicht immer richtig ist? Gucke dir deine Freunde an. Bestimmt fallen dir spontan einige ein, die zum Beispiel sehr kreativ oder selbstsicher sind, aber es niemals von sich behaupten würden. Das liegt daran, dass ihr Selbstbild nicht mit dem Fremdbild – also das Bild, das du von ihnen hast – übereinstimmt.

Diese Inkongruenz ist bei jedem Mensch verschieden groß und es gibt eine vielfältige Anzahl an Gründen, warum sie überhaupt existiert. In diesem Artikel untersuchen wir den Zusammenhang zwischen deinem Selbstbild und Fremdbild und erklären, wieso dieses Thema so wichtig für deine Persönlichkeit und dein persönliches Wachstum ist. Abschließend schauen wir uns einen sehr interessanten Test an, den du direkt selbst machen kannst, um deine Selbstwahrnehmung zu testen.

Was ist dein Selbstbild? Woher kommt dein Fremdbild?

Dein Selbstbild besteht aus mehreren verschiedenen Bereichen und ist eng mit der Fähigkeit der Selbstreflexion verknüpft. Dabei geht es in erster Linie um das Wissen über den eigenen Charakter, deine Werte, Eigenschaften und Antriebe. Darüber hinaus spielt aber auch deine emotionale Seite eine wichtige Rolle. Dein Selbstbewusstsein und deine Selbstachtung beeinflussen dein Selbstbild, da von ihnen oft auch deine Handlungen und Gedanken gesteuert werden.

Das Fremdbild hingegen wird von deinen Mitmenschen gebildet. Es erklärt, mit welchen Werten und Eigenschaften sie dich beschreiben. Es ist also das Bild, dass sie sich durch Erfahrungen und Beobachtungen über dich gemacht haben. Genauso wie das Selbstbild muss diese Wahrnehmung nicht dein wirkliches “wahres Ich” repräsentieren, sondern ist lediglich ein subjektives Ergebnis der Schlussfolgerung des betroffenen Geistes.

Dieses Fremdbild über dich kann aber von Person zu Person unterschiedlich sein. Dir ist bestimmt schon einmal aufgefallen, dass du dich in verschiedenen Kreisen anders verhältst. Beispielsweise bist du mit deinen engen Freunden viel selbstbewusster oder offener als bei der Arbeit. Das kann natürlich daran liegen, dass du mit deinen Kollegen einen weniger vertrauten Umgang hast, aber durchaus könnte auch das verschiedene Fremdbild der Grund sein. Das würde bedeuten, dass dein Verhalten – und auch dein Selbstbild – von dem Fremdbild anderer gesteuert werden kann. Wie kann das sein?

Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das von sich eine schlechte Meinung hat.

George Bernhard Shaw (1856 – 1950), irischer Autor und Kritiker Tweet

Wie hängen Selbst- und Fremdbild zusammen?

Dein Selbstbild und dein Fremdbild sind keine voneinander abgekoppelten Wahrnehmungen. Ganz im Gegenteil können sie sich in beide Richtungen beeinflussen. Als einfaches Beispiel kannst du dir erfolgreiche Menschen angucken. Sie sind oft selbstbewusst und strahlen eine gewisse Aura von Erfolg aus. Diese Ausstrahlung formt dein Bild über sie. Andersrum gibt es sehr scheue und zurückhaltende Menschen, die ihre Unsicherheit offen zeigen und somit dir schon ein Fremdbild suggerieren. Diese Form des Zusammenhangs zwischen Selbst- und Fremdbild ist einfach zu verstehen und wahrscheinlich nichts Neues für dich.

Aber wusstest du, dass dein Selbstbild genauso von dem Fremdbild anderer geformt werden kann? Beispielsweise, wenn dich jemand – oder ein gewisses Umfeld – deine Fähigkeiten immer wieder anpreist und lobt, dann entwickelst du Stolz und das Selbstbewusstsein, dass du diese Fähigkeit besitzt. 

Hebt man wiederum eine deiner vermeintlichen Schwächen immer wieder hervor, so glaubst du selbst an diese Schwäche, obwohl sie vielleicht gar nicht existiert.

Dieses Phänomen kann dafür sorgen, dass sich dein Selbst- und dein Fremdbild in gewissen Bereich deckt, aber nichts mit der Realität zu tun hat. Aber dein Selbstbild und dein Fremdbild müssen nicht immer übereinstimmen. Oft gibt es Charaktereigenschaften, die du in dir siehst, die von anderen nicht wahrgenommen werden. Oder aber dein Umfeld sieht Eigenschaften, die du zwar nicht in dir siehst, die aber existieren. 

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Selbstbild und Fremdbild testen mit dem Johari-Fenster

Wir haben jetzt gelernt, wie dein Selbstbild und wie dein Fremdbild entsteht. Des Weiteren haben wir uns angeschaut, wie sie sich gegenseitig beeinflussen können. Wir haben auch gelernt, dass unser Selbstbild oft nicht mit dem Fremdbild übereinstimmt. Aber wie kann man jetzt den Unterschied konkret beschreiben und untersuchen?

Dafür haben Wissenschaftler im Jahre 1955 das Johari-Fenster entwickelt. Prinzipiell geht es bei dem Johari-Fenster um vier verschiedene Bereiche, die zusammen dein Selbstbild und dein Fremdbild abstrakt beschreiben:

  1. Der öffentliche Bereich. Zu dem öffentlichen Bereich zählt man alles, das wir in der Öffentlichkeit über uns preisgeben. Dazu gehören offensichtliche persönliche Eigenschaften, sowie äußere Merkmale wie Erscheinungsbild, Kleidungsstil etc.
  2. Der geheime Bereich. In diesen Bereich gehören alle Informationen, die wir wissentlich und unwissentlich vor der Öffentlichkeit verbergen. Dazu gehören oft kleine Laster, Schwächen, aber auch Charaktereigenschaften, die wir versuchen zu unterdrücken.
  3. Der blinde Fleck. Zu diesem Bereich zählen alle Eigenschaften von einem selbst, die einem nicht bewusst sind. Der blinde Fleck ist somit der Bereich, indem wir die Inkongruenz zwischen unserem Selbstbild und unserem Fremdbild am wenigsten steuern können.
  4. Die Unbekannte. Der letzte Bereich besteht aus Eigenschaften, die niemand über einen kennt, nicht einmal man selbst. Wie verhältst du dich in extremen Gefahrsituationen? Falls du noch nie in so einer Situation warst, kannst weder du noch andere einschätzen, wie du diese bewältigst.
Selbstbild und Fremdbild mit einem Johari-Fenster
Das Johari-Fenster von Joseph Luft und Harry Ingham

Welcher Bereich der größte bei jedem Menschen ist, kann sehr unterschiedlich sein. Manche sind sehr offen und geben vieles über einen selbst preis. Andere verschließen sich vor Menschen als eine Art Schutzmechanismus und haben einen eher größeren geheimen Bereich.

Vor allem jüngere Menschen haben oft einen größeren blinden Fleck. Das bedeutet, sie sind sich nicht darüber bewusst, welche Eigenschaften und Merkmale andere in ihnen sehen.

Wie können wir jetzt das Johari-Fenster nutzen, um unser Selbstbild und Fremdbild zu testen? Zuallererst gucke dir die folgende Liste an Adjektiven an und versuchen die sechs Adjektive zu finden, die dich am besten beschreiben. Wichtig ist hierbei, dass du nicht die sechs Adjektive nimmt, die du gerne sein möchtest, sondern die dich wirklich ausmachen. Versuche dabei so ehrlich wie möglich mit dir zu sein, aber auch nicht zu hart. Je spontaner du die Adjektive auswählst, also auf dein Bauchgefühl hörst, umso besser ist oft das Ergebnis.

Nachdem du dir sechs Adjektive ausgewählt hast, ist jetzt die Hilfe von deinen engen Freunden oder der Familie nötig. Frage sie, welche dieser sechs Adjektive sie nutzen würden, um dich zu beschreiben. Mache ihnen vorher klar, dass sie nicht nur positive Eigenschaften nennen sollen, sondern so ehrlich und spontan wie möglich die passendsten aussuchen sollen.

Es geht hier nicht darum, dir zu schmeicheln, damit du dich besser fühlst, sondern um eine neutrale Wahrnehmung. Da deine engen Freunde und deine Familie dennoch oft vor allem die positiven Eigenschaften auswählen werden, kannst du auch außenstehende Personen wie Arbeitskollegen befragen, um ein noch neutraleres Ergebnis zu erhalten.

Ich weiß, es kann seltsam sein zu Menschen zu gehen und sie zu fragen: “Hey, sag mal wie findest du mich eigentlich?” Deswegen erkläre ihnen doch, warum du sie darum bittest und frage sie, ob sie sich selbst vielleicht auch testen wollen. Du könntest ihnen ihre sechs Adjektive aussuchen.

  • akzeptierend
  • albern
  • angespannt
  • anpassungsfähig
  • aufmerksam
  • bescheiden
  • bestimmt
  • energievoll
  • entspannt
  • extrovertiert
  • fähig
  • freundlich
  • fürsorglich
  • geduldig
  • geschickt
  • genial
  • glücklich
  • großzügig
  • heiter
  • hilfreich
  • idealistisch
  • intelligent
  • introvertiert
  • kompetent
  • komplex
  • kühn
  • liebevoll
  • logisch
  • mächtig
  • mitfühlend
  • nachdenklich
  • nervös
  • nett
  • organisiert
  • reaktionsschnell
  • reif
  • religiös
  • ruhig
  • scheu
  • schlau
  • selbstbewusst
  • selbstsicher
  • sentimental
  • spontan
  • still
  • stolz
  • suchend
  • tapfer
  • unabhängig
  • verlässlich
  • vernünftig
  • vertrauenswürdig
  • warmherzig
  • weise
  • witzig
  • würdevoll

Auswertung deiner Johari-Adjektive

Nachdem du dir deine eigenen Adjektive aufgeschrieben haben und du von deinem Umfeld Beschreibungen gesammelt hast, ist es an der Zeit dein Johari-Fenster auszufüllen. Vergleiche dafür deine eigenen Adjektive, mit denen von deinen Freunden. Gibt es irgendwelche Schnittmengen? Wenn ja, trage diese in das öffentliche Feld ein. Alle anderen Adjektive, die du dir selbst gegeben hast, aber nicht von anderen genannt wurden, trägst du vorerst in den geheimen Bereich ein.

Die restlichen Adjektive deiner Freunde kommen jetzt in den blinden Fleck. Als Nächstes schaue dir an, welche Adjektive sich überschneiden und in dem öffentlichen Bereich stehen. Stelle dir die folgenden Fragen:

  • Warum sind diese Adjektive so prominent für die Beschreibung deines Charakters? 
  • Haben diese Adjektive sogar mehrere Leute angegeben? 
  • Sind es positive oder negative Adjektive? Macht dich diese Wahrnehmung glücklich oder unglücklich?
  • Willst du etwas daran ändern oder es noch mehr forcieren?

Du merkst, dass man mit diesen Informationen aus dem ersten Bereich schon eine Menge anfangen kann. Je mehr Leute du fragst, umso höher ist natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass jemand genau deine Adjektive trifft. Solltest du also viele Menschen nach Adjektiven gefragt haben, ergibt es Sinn, diesen Bereich nach Anzahl an Nennungen zu sortieren.

 

Jetzt schaue dir die Adjektive an, die du dir gegeben hast, aber deine Angehörigen nicht genannt haben. Diese schreibst du dir in dein geheimes Feld. Sie zeigen dir, welche Eigenschaften über dich du augenscheinlich nicht preisgegeben hast. Jetzt stelle dir diese Fragen:

  • Hast du diese Eigenschaften deiner Persönlichkeit bewusst versteckt?
  • Wie gut beschreiben dich diese Adjektive wirklich?
  • Ist es mehr Wunschdenken (bei positiven Adjektiven) oder sogar unnötiges Schlechtmachen (bei negativen Adjektiven) deiner Persönlichkeit?

Du merkst hier, dass es bei diesem Test sehr viel um Selbstreflexion geht. Im Endeffekt kannst nur du für dich selbst erklären, warum diese Adjektive nicht genannt wurden. Wie wichtig sind dir diese Adjektive für dich? Ist es etwas, dass du mehr forcieren willst?

 

Als Letztes schauen wir uns die Adjektive an, die deine Freunde genannt haben, aber du selbst nicht beachtet hast. Schreibe sie in deinen blinden Fleck. Meistens ist der blinde Fleck der größte Bereich, also der Bereich mit den meisten Adjektiven. Beachte außerdem, dass diese Anzahl steigt, je mehr Menschen du befragt hast.

Nun stelle dir folgende Fragen:

  • Welche dieser Adjektive überraschen dich am meisten?
  • Welche Adjektive haben mehrere genannt, an die du nicht gedacht hast? Treffen diese zu?
  • Welches Adjektiv ärgert dich am meisten und wie wahr ist es womöglich?
  • Welches Adjektiv freut dich am meisten? Hast du nach dieser Eigenschaft gestrebt oder war es Zufall?

Hier sind die Interpretationsmöglichkeiten nahezu endlos. Oftmals stehen hier viele Tugenden, die man entweder nicht wusste oder sich nicht getraut hat, anzugeben. Auch sollten hier negative Adjektive stehen. Versuche zu ergründen, woher sie stammen. Diese müssen nicht zwangsweise stimmen. Ergründe, woher sie stammen und ob sie dich stören. Hier ist jetzt ein guter Moment bei deinen befragten Personen nachzuhaken. Warum haben sie die bestimmten Adjektive ausgewählt? War es eine spontane Wahl oder auf Basis eines bestimmten Ereignisses? Betone dabei, dass du sie nicht umstimmen willst, oder ihnen erklären willst, dass es nicht wahr ist. 

Denn es geht in erster Linie darum, etwas über dein Selbst- und Fremdbild zu lernen. Bist du mit deinen Nachforschungen fertig, gucke dir abschließend noch einmal dein Johari-Fenster an. Bist du zufrieden mit deinem Ergebnis? Welche Sachen haben dich am meisten überrascht, gefreut oder geärgert? Jetzt ist der perfekte Moment dir Ziele zu setzen, welche Sachen du an dir ändern möchtest, oder Selbstreflexion zu betreiben, um die Ergebnisse deines Tests zu ergründen.

Selbstbild und Fremdbild mit einem gefüllten Johari-Fenster
So könnte dein Johari-Fenster aussehen.

Unser Fazit

Wir hoffen, wir konnten dir in diesem Artikel den Unterschied von Selbstbild und Fremdbild näher bringen. Wir glauben, dass du mit Hilfe des Johari-Fensters deine Eigenwahrnehmung erforschen konntest. Sei nicht zu traurig, falls die Ergebnisse nicht deinen Wünschen entsprechen. Dein Selbst- und dein Fremdbild sind wesentliche Bestandteile deiner Persönlichkeit, aber noch lange nicht in Stein gemeißelt. Du kannst jederzeit an dir arbeiten und auch die Meinung deiner Mitmenschen kann sich ändern. Ich habe den Test ebenfalls gemacht und war über das Ergebnis sehr überrascht. Aber letztlich hat es mich motiviert weiter an mir zu arbeiten – ich hoffe, dass es dir genauso ergehen wird.

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Autor

Patrick Germann

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