Die besten Strategien: Negative Glaubenssätze auflösen

Negative Glaubenssätze auflösen und erkennen beschrieben durch die Silhouette eines Menschen im Sonnenuntergang

Positive und negative Glaubenssätze: Sie sind wie vorgeschriebene neuronale Programme, die sich über die Realität legen und die Wahrnehmung unserer Umwelt sinnbildlich „verzerren“. Kaum etwas besitzt mehr Einfluss auf die Qualität deines Lebens als deine Glaubenssätze.

Manche Menschen scheinen die Überholspur des Lebens für sich gepachtet zu haben. Es wirkt so, als würde ihnen alles gelingen und sie mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit nur so  durchs Leben gleiten. Andere Menschen scheinen hingegen mit angezogener Handbremse zu fahren – als würden innere Blockaden sie gewissermaßen aufhalten wollen. Der Grund für diese Verhaltensweisen sind eben erwähnte positive und negative Glaubenssätze.

Diese inneren Überzeugungen – obgleich guter oder schlechter Natur – bestimmen maßgeblich darüber, was ein Mensch tut (oder auch nicht tut), denkt und fühlt. Dabei sind es die positiven Glaubenssätze, die einem Menschen ein erfülltes Leben ermöglichen und hingegen negative Glaubenssätze, die ihn zurückhalten wollen.

Glaubenssätze lassen sich verändern – auch die negativen. Um vielleicht die eine oder andere Handbremse in deinem Leben bzw. Kopf zu lösen, erwartet dich hier eine ausführliche Erklärung, was diese inneren Überzeugungen überhaupt sind, wie sie entstehen, wirken und wie man für sich negative Glaubenssätze auflösen kann.

Da Glaubenssätze eine umfassende und wirklich große Thematik für einen Menschen sind, fällt dieser Beitrag deutlich länger als manch anderer aus. Doch es ist uns wichtig, dass wir dieses Thema ganz genau beleuchten. Also nimm dir die bitte nötige Zeit, erforsche dich selbst und mache bei den folgenden Übungen gerne mit, um auch deine Glaubenssätze zu erkennen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Glaubenssätze?

Glaubenssätze sind unbewusste Gedankenmuster, die sich im Laufe eines Lebens für jeden Menschen entwickelt haben. Es sind inneren Überzeugungen, die sich im Unterbewusstsein von einer Person verankert haben und auf alles und jeden projiziert werden: auf sich selbst, andere Menschen und allgemein auf das ganze Leben.

Glaubenssätze bestimmen maßgeblich unseren Alltag und wie wir die Eindrücke aus unserer Umwelt wahrnehmen – oftmals sogar ohne merklichen Eindruck. Sie steuern, wie wir uns verhalten, wie wir denken und sogar fühlen. Es sind sozusagen psychische Betriebssysteme, die die Wahrnehmung und das Weltbild jeder Person bestimmen.

 Jeder Mensch besitzt eine Vielzahl von sowohl positiven, als auch negativen Glaubenssätzen. Positive Glaubenssätze sind wie ein guter Freund, die einem Menschen bspw. Mut machen und zu innerer Stärke verhelfen. Hingegen sind negative Glaubenssätze wahre Blockaden. Sie reproduzieren schlechte Denkmuster, limitieren die eigenen Fähigkeiten und lassen einen schlechter fühlen als eigentlich notwendig.

Diese positiven und negativen Glaubenssätze können sich dabei durch alle Lebensbereiche ziehen und beeinflussen so unterschiedliche Sichtweisen. Kein Glaubenssatz lässt sich von außen und objektiv als falsch beurteilen. Solch eine Überzeugung hat ein Individuum durch unterschiedlichste Ursache entwickelt. Daher hat jeder Glaubenssatz seine „Berechtigung“.

Wir werden, was wir glauben.

Earl Nightingale (1921-1989), US-amerikanischer Motivationstrainer Tweet

Es gibt unendlich viele von diesen inneren Überzeugungen. Doch um dir einen Einblick zu gewähren, haben wir dir eine große Liste an Beispielen für unterschiedliche positive und negative Glaubenssätze zusammengestellt – aufgeteilt auf die typischen und großen Lebensbereiche.

Uns ist es wichtig, dass du dir unter dem Begriff „Glaubenssatz“ etwas vorstellen kannst, um auch später deine eigenen besser erkennen zu können. Überfliege gerne diese Auflistung und habe dabei im Hinterkopf, dass sich jeder Glaubenssatz auch umdrehen lässt – und so bspw. aus einem negativen Glaubenssatz ein positiver wird:

Ich bin nicht wertvoll. → Ich bin wertvoll.
Ich habe keine Macht. → Ich habe die Macht für mein selbstständiges Handeln.

Ich genüge mir selbst.
Ich werde es schaffen.
Ich bin gut/attraktiv/selbstbewusst/intelligent/…

Ich bin anderen immer unterlegen.
Ich muss immer der Beste sein.
Ich bin dumm/nicht schön genug/zu dick/zu dünn/…

Ich habe es verdient glücklich und erfolgreich zu sein.
Mit meinem Beruf kann ich erfolgreichen/reich werden.
Ich kann es aus eigener Kraft schaffen ein erfülltes Leben zu führen.

Geld verdirbt den Charakter.
Erfolg kann man nur haben, wenn ich andere aussteche.
Ich habe es nicht verdient viel Geld zu verdienen.

Ich darf meine Mitmenschen um Hilfe beten.
Ich darf meine Meinung sagen.
Ich bin selbstbestimmt und lasse nicht über meinen Kopf hinweg entscheiden.

Ich darf keine negativen Gefühle zulassen.
Ich falle anderen nur zu Last.
Ich kann keinen anderen vertrauen.

Ich glaube an die Liebe meines Partners und der Beziehung.
Ich kann meinem Partner vertrauen.
Mein Partner liebt mich so wie ich bin.

Alle Männer sind Schweine. / Alle Frauen sind Schweine.
Ich muss meinem Partner immer gefallen.
Mein Partner wird mir fremdgehen.

Es ist Frieden in mir, meinem Körper und meiner Umwelt.
Ich achte auf mein Denken und ernähre mich bewusst gesund.
Ich bin kraftvoll und lebendig.

Ich werde öfters krank als andere.
Das ist erblich bedingt.
Für einen gesunden Körper muss man leiden.

Keiner liebt mich.
Die Welt ist hart und ungerecht.
Veränderungen machen alles schlimmer.
Ich werde von anderen Menschen ausgenutzt.
Nur mit einem Partner kann ich glücklich sein.
Reiche Menschen sind schlecht.
Nichts liegt in meiner Hand.
Man kann nicht einfach machen, was man will.
Menschen haben schlechte Absichten.
Seine Gefühle zu zeigen, ist ein Beweis von Schwäche.
Ich bin zu nichts fähig.

Dies ist jedoch wirklich nur ein klitzekleiner Anteil ab möglichen Glaubenssätzen. Es gibt unendlich viele von ihnen. Jedoch hast du hoffentlich nun ein ungefähres Bild erhalten.

Wie wirken Glaubenssätze?

Positive und negative Glaubenssätze wirken gleichermaßen. In gewisser Weise „verzerren“ sie die Realität und funktionieren wie ein Filter auf die Umwelt. Man kann es sich so vorstellen, als würde man sich eine Sonnenbrille mit blauen Gläsern aufsetzen und die Umwelt in einem leichten Blaustich sehen. Setzt man hingegen eine Sonnenbrille mit grünen Gläsern auf, sieht man die Umwelt in einem Grünstich.

So beeinflussen letztlich Glaubenssätze das Leben eines Menschen: Je nach Glaubenssatz – in unserem Beispiel die unterschiedlichen Sonnenbrillen – sehen wir die tatsächliche Umwelt leicht abgeändert bzw. verfärbt. Glaubenssätze verändern also in gewissen Weise die Realität – bei manchen Menschen mehr, bei anderen weniger. 

Doch wie funktioniert dies? Einfach gesagt, sind Glaubenssätze neuronale Programme, die bestimmen, wie ein Mensch auf seine Umwelt reagiert. Denn es ist wie folgt:

Eine Information aus der Umwelt erreicht den Menschen und ruft bei ihm immer eine Reaktion in Form von Gedanken, Verhalten oder Emotionen hervor. Mitunter werden diese Reaktionen durch die neuronalen Muster der Glaubenssätze geformt.

Sie wirken dabei wie ein vorgeschriebenes Programm, welches für eine Information vorbestimmt ist und erzeugt somit vorprogrammierte Gedanken und Emotionen, die sich wiederum im menschlichen Verhalten widerspiegeln.

Dabei muss genau auf die negativen Glaubenssätze Acht gegeben werden. So wie es der Name „Glaubenssatz“ schon verrät: Ein Mensch glaubt wirklich an seine Glaubenssätze. Es sind für ihn – aus seiner individuellen und subjektiven Sicht – Tatsachen, die er für sich als wahr erachtet – so unrealistisch wie es für einen objektiven außenstehenden wirken mag. Und so wird das eigene Verhalten und Leben nach den eigenen Glaubenssätzen ausgerichtet.

Die Wirkung von Glaubenssätzen möchten wir dir anhand eines einfachen – und womöglich auch etwas plakativen – Beispiels näher bringen:

Durch frühere schlechte Erfahrungen, bspw. durch Enttäuschungen, Fremdgehen oder die Ignoranz des Partners entwickelt sich für eine Person der folgende Glaubenssatz bzgl. romantischen Beziehungen und Partnerschaften:

„In einer romantischen Beziehung werde ich von meinem Partner immer nur enttäuscht und fallen gelassen.“

In unserem Beispiel heißt diese Person Lisa. Lisa lernt an einem schönen Abend in ihrem Freundeskreis Marc kennen. Lisa findet Marc von Grund auf sympathisch und attraktiv und sieht in ihm einen potenziellen Partner.

Durch die Interaktion mit Marc entstehen Reize/Informationen, die von Lisa aufgenommen werden. Die Reize treffen wiederum auf Lisas Glaubenssatz, dass sie immer von ihren Partnern enttäuscht wird.

Lisas Glaubenssatz äußert in Gedanken, wie „…dass es wieder so kommen wird“, „…der erste Anschein ja sowieso trügt und er genauso sein wird wie meine vorherigen Partner“ oder „…ich kann ihm ja nicht vertrauen“.

Diese Gedanken resultieren wiederum in Emotionen - negative Emotionen, wie es Lisa schon von früher kannte: Misstrauen, Verletzung, Enttäuschung und Selbstschutz.

Und genau diese Emotionen spiegeln sich in Lisas Opfer- und Abwehrverhalten gegenüber Marc wider. Obwohl Marc bis dahin nichts Falsches gemacht hat und Lisa sehr positiv gegenüber begegnete, wird von Lisa mit Abweisung reagiert, was Marc nun auch Lisa zurückspielt.

Lisas Erfahrungen wurden dadurch erneut bestätigt und ihr negativer Glaubenssatz hat sich in ihren Gedanken, Gefühlen und Verhalten verfestigt. 

Diese Art von Programmen besitzt jeder Mensch in unendlicher Vielzahl, wobei es sowohl positive, als auch negative Glaubenssätze gibt, die jeden Tag im Leben eines Menschen greifen und wirken.

Durch solche Erfahrungen, wie im obigen Beispiel, können sich diese Überzeugungen im Kopf bewähren – und dies ist letztlich die Krux an der Sache und macht es einem Menschen so schwer negative Glaubenssätze aufzulösen bzw. zu ändern. Dazu jedoch später mehr.

Negative Glaubenssätze auflösen und erkennen beschrieben anhand des Schaubild "Der Zyklus von Glaubenssätzen"

Wie entstehen Glaubenssätze?

Wenn ein Mensch zur Welt kommt, ist er unbefangen von jeglichen Glaubenssätzen. Ein Mensch startet sozusagen mit einer „leeren Festplatte“ und entwickelt für sich erst im Laufe seines Lebens diese Gedankenmuster und neuronalen Programme.

Wie wir über die Welt oder andere denken, kann auf den ersten Blick sehr willkürlich wirken. Doch jegliche Sichtweisen sind auf einen Ursprung zurückzuführen. Sowohl positive, als auch negative Glaubenssätze sind das Resultat eigener Erfahrungen und Einflüsse aus der Umwelt.

Glaubenssätze entwickeln sich somit entweder durch die Person selbst oder durch externe Einwirkungen. Ein Mensch nutzt dafür ganz unterschiedliche Methoden, um diese Überzeugungen für sich zu entwerfen. Doch es sind vor allem zwei große „Fehler“/Prozesse, wie ein Mensch für sich Glaubenssätze entwickelt:

  1. Einzelne Erfahrungen werden generalisiert. Auf Basis weniger Erfahrungen werden fundamentale Meinungen – sprich Glaubenssätze – entwickelt.
  2. Menschen modellieren ihre Umwelt. Dies bedeutet, dass Menschen Beobachtungen über Meinungen, Verhalten, Aussagen und Glaubenssätze machen und diese im Unterbewusstsein übernommen haben.

Externe Einflüsse sind bspw. die sozialen Bindungen und Interaktionen mit unseren Mitmenschen. Jeder Mensch lernt und übernimmt unbewusst und bewusst Verhalten, Meinungen und Aussagen aus seiner Umwelt. Dies passierte über ganz unterschiedliche soziale Kontakte, Bindungen und Beziehungen:

  • bei der Erziehung, der Schule, der Ausbildung, bei der Arbeit etc.
  • durch die Familie, die Verwandten-, Geschwister- und Familienverhältnisse
  • durch Freunde und Bekannte
  • durch Lehrer (= Autoritätspersonen) und Schulkameraden
  • durch Vorgesetzte und Kollegen
  • letztlich durch jeglichen Kontakt mit anderen Mitmenschen

Der nächste Punkt ist ganz wichtig, da dieser im Erkennen seiner eigenen Glaubenssätze von großer Bedeutung sein wird: Vor allem im Kindheitsalter ist ein Mensch noch deutlich „formbarer“. In jungen Jahren neigen Kinder dazu, dass, was ihnen gesagt und gezeigt wird – und generell erfahren haben – zu übernehmen. Ein Großteil der Glaubenssätze entsteht nämlich deshalb in der eigenen Kindheit.

Ein Kind, das vom Mathematiklehrer gesagt bekommt, dass es kein Mathe kann, glaubt schneller dieser Aussage, als ein gestandener Erwachsener. Oder dass es immer brav und artig sein muss, um von seinen Eltern Zuneigung zu erhalten.

Die Kindheit ist eine hochsensible Phase in der Entwicklung eines Menschen. Als junger Mensch sucht ein Kind aktiv den (Lern-)Austausch mit Erwachsenen, um von den älteren zu lernen und sich Sachen quasi „abzuschauen“. 

Doch dabei fehlen Kindern noch oft die kognitiven Möglichkeiten über Verhaltensweisen, Meinungen und Situationen selber abwägen zu können, um für sich diese Dinge als falsch oder richtig zu verstehen. Ein Kind nimmt daher solch Denk- und Verhaltensmuster viel schneller für sich an, als es ein Erwachsener tun würde.

Doch nicht nur in der Kindheit finden wir den Ursprung unserer Glaubenssätze. Jeder Mensch hat unzählige Glaubenssätze im Laufe seines Lebens entwickelt und wird es auch weiterhin tun. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass Glaubenssätze nichts mit dem Intellekt eines Menschen zu tun haben. Selbst die intelligentesten Menschen haben negative Glaubenssätze entwickelt.

Kein Mensch hat sich bewusst dazu entschieden einen Glaubenssatz für sich anzunehmen oder nicht. Sie sind das Ergebnis externer Einflüsse. Jeder von uns wird durch den Kontakt mit seiner Umwelt, sowie die sozialen Interaktionen geformt.

Das Gute ist, dass kein Glaubenssatz in Stein gemeißelt ist und sich verändern lässt – auch wenn dies, oftmals mit viel Arbeit verbunden ist. Wird ein Mensch sich seiner negativen Glaubenssätze bewusst, so ist es ihm auch möglich an diesen zu arbeiten und für sich aufzulösen.

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Schritt 1: Negative Glaubenssätze erkennen

Ehe wir uns damit beschäftigen können, wie wir negative Glaubenssätze auflösen können, müssen wir in unserer Persönlichkeit danach suchen und graben. Viele unserer Überzeugungen liegen nämlich nicht für uns abrufbar auf unserer Bewusstseinsebene, sondern sind „unter der Oberfläche“ im Unterbewusstsein. Hier wollen wir nun also hin.

Dafür benötigt es eine allumfassende Selbstreflexion – beginnend in unserer Kindheit und von da an fortlaufend bis in die Gegenwart unseres jetzigen Erwachsenenalters. Falls du ernsthafte Absichten hegst, deine negativen Glaubenssätze erkennen zu wollen, solltest du dir gleich schon mal ein Blatt Papier und einen Stift zur Seite legen. Diese Dinge wirst du zeitnah benötigen.

Doch bevor wir starten, noch eine kleine Notiz unsererseits: Die folgenden Abschnitte werden verstärkt von Negativität geprägt sein. Das hat den Hintergrund, dass wir uns in diesem Artikel besonders den negativen Glaubenssätzen widmen – wie man sie erkennt und auflöst. Dieser Artikel soll vorrangig als Problemlöser für diese fungieren. Du wirst mich Sicherheit auch viele positive Glaubenssätze erkennen (können), was wirklich wunderbar ist. Halte an diesen weiterhin fest und werde dir bitte auch gerne weiterer bewusst.

Um den Beitrag möglichst einfach zu halten und nicht unnötig zu verkomplizieren, sprechen wir auch im weiteren Verlauf von negativen Glaubenssätzen, aber habe die positiven weiterhin im Hinterkopf. Trotzdem kannst du viele der weiteren Methoden 1:1 für deine positiven Überzeugungen nutzen.

Glaubenssätze aus der Kindheit erkennen

Wie oben bereits erwähnt, ist die Kindheit – besonders auch die Erziehung – ein Hauptursprung von Glaubenssätzen jeglicher Art. Aus diesem Grund müssen wir einen kurzen Exkurs über das Eltern-Kind-Verhältnis machen. Denn es ist wichtig diese Kindheits- und Erziehungshintergründe zu verstehen:

Die Erziehung und Bindung zu seinen Eltern spielt eine ganz tragende Rolle in der Entwicklung eines Kindes. Für ein Kind in jungen Jahren sind die Eltern wohl nicht nur die engsten Bezugspersonen, sondern in der Regel auch die Verantwortlichen (neben alternativen Erziehungspersonen Großeltern, Stiefväter und -mütter etc.), die dem Kind gewisse Wertvorstellungen übermitteln.

Durch die Beziehung zu seinen Eltern bzw. „Elternersätzen“ nimmt ein Kind unglaublich viele Glaubenssätze auf und trägt diese bis ins Erwachsenenalter mit. Ein Kind kann dabei auch ganz viele positive Glaubenssätze erwerben: dass es sich wertvoll fühlen darf, eine eigene Meinung haben darf, auch wütend sein darf (und keine Gefühle gegenüber seiner Eltern verstecken muss), seine Meinung sagen darf, um Hilfe bitten darf etc. 

Doch durch die Beziehung zu seinen Eltern können sich auch negative Glaubenssätze für ein Kind entwickeln.

Ein Kind lernt durch seine Erziehungsberechtigten, wie es sich zu verhalten hat, was schlecht und gut ist. Dies selbst zu beurteilen oder einzuschätzen lernt ein Kind hingegen (und wenn überhaupt) erst viel später im Leben. Ob ein Kind bis dahin richtig handelt – und dies auch nur in der Sicht der Mama und des Papas – erfährt es durch das Feedback der Eltern.

Verhält sich das Kind gut, wird es gelobt und mit der Liebe der Eltern belohnt. Wenn hingegen das Kind gegen die Erwartungen der Eltern handelt, reagieren diese mit Tadel, Distanz oder strafen es auf eine andere Art ab.

Kinder sind besonders sensibel gegenüber den Reaktionen ihrer Eltern und lernen aus solchen Erfahrungen. Sie passen ihr Verhalten gegenüber den Erwartungen ihrer Eltern an, übernehmen ihre Sicht-, Denk- und Verhaltensweisen oder können sogar auch ihre eigenen Bedürfnisse denen ihrer Eltern (permanent) unterstellen. 

Falls Mamas und Papas Laune und die Liebe gegenüber dem Kind immer an gewisse Bedingungen geknüpft ist, entwickelt das Kind eigene Strategien und einen eigenen Umgang. Diese Strategien können ganz unterschiedlich sein: Rebellion, Unterwürfigkeit, Anpassung, Ignoranz, Selbstschutz oder Abkapselung gegenüber den Eltern.

Durch die Bedingungen der Eltern lernt ein Kind sich nicht nur „richtig“ zu verhalten, sondern entwickelt auch Glaubenssätze, die es lebenslang prägen können.

Was könnte ein Kind bspw. denken bzw. was für potenzielle Glaubenssätze könnte ein Kind entwickeln, wenn es immer wieder aufs Neue dieselben Erfahrungen durch seine Eltern macht und letztlich folgende Aussagen verinnerlichte? (In Klammern stehen potenzielle Begründungen eines Kindes für die Entwicklung des entsprechenden Glaubenssatzes) 

„Meine Eltern schenken mir nur Liebe und Wertschätzung, wenn ich alle ihre Erwartungen erfülle.“

Ich muss immer perfekt sein (weil meine Eltern mich dann lieb haben).
Ich darf keine Fehler machen (weil meine Eltern sonst sauer auf mich sind).
Ich darf nie verlieren (weil meine Eltern sonst sauer auf mich sind).
Ich bin wertlos (wenn ich nicht erster werde).
Ich bin schuld, wenn meine Eltern auf mich sauer sind (weil ich nicht erster wurde).
Ich darf nicht ich sein (weil ich immer den Erwartungen meiner Eltern entsprechen muss).
Ich darf mich nicht wehren (weil ich immer den Erwartungen meiner Eltern entsprechen muss).
Ich muss funktionieren (weil ich immer den Erwartungen meiner Eltern entsprechen muss).

„Wenn ich schlechte Laune habe, sind meine Eltern böse auf mich und ich von ihnen getadelt.“

Ich bin nicht wichtig (weil meine Eltern mich nicht ernst nehmen).
Ich muss meine negativen Gefühle bei mir halten (weil ich andere Menschen damit belaste).
Ich bin nicht gut genug (wenn ich Schwäche zeige).
Ich bin nicht willkommen (wenn ich meine Eltern nerve).
Ich darf nicht ich sein (weil ich immer den Erwartungen meiner Eltern entsprechen muss).
Ich muss funktionieren (weil man keine schlechte Laune haben darf).

Diese beschriebenen Verhaltensmuster sind ein Teil des Konzepts inneren Kindes, welches von John Bradshaw in den 1970er und -80er Jahren entwickelt wurde. Das innere Kind ist eine modellhaften Betrachtungsweise innerer Erlebniswelten und symbolisiert dabei alle – teilweise unbewussten – Gefühle, Erlebnisse und Erinnerungen aus der eigenen Kindheit. Um diese inneren Erlebniswelten und Glaubenssätze zu erkennen, möchten wir deshalb nun mit deinem inneren Kind arbeiten.

Die Arbeit mit dem inneren Kind 

Nimm dir ein Blatt Papier zur Hand und male die Silhouette eines Kopfes auf bzw. drucke dir gerne unsere Vorlage dafür aus (bereits fürs DIN-A4-Format vorbereitet). Male diese Silhouette möglichst mittig und groß auf, da du später noch kurze Sätze in den Kopf schreiben musst. 

Negative Glaubenssätze auflösen und erkennen mithilfe der Arbeit zum inneren Kind Teil 1

Neben den Kopf des Kindes schreibst du nun alle wichtigen Personen auf, die für deine Erziehung in Kindheitsjahren mitverantwortlich und von wichtiger Bedeutung waren. Das sind meistens natürlich deine Eltern, können aber auch deine Stiefeltern, Adoptiveltern, Großeltern, Geschwister, etc. sein.

Nun schreibst du unter diesen Personen sowohl positive, als auch negative Stichwörter auf, die ihre Eigenschaften beschreiben und wie sie dich in der Kindheit behandelt haben.

Wenn du damit fertig bist, ziehst du eine Linie über diese Personen und führst sie zu einer Konstellation zusammen (bei den meisten dann „Eltern“). Nun beschreibst du erneut in kurzen Stichwörtern die gemeinsame Beziehungsdynamik dieser Personen. 

Jetzt betrachtest du alles, was du auf deinem Blatt zusammengefasst hast und spürst mal in dich hinein, was das alles in dir als Kind bewirkt hat. Zu welchen inneren Überzeugungen bist du durch das Verhalten deiner Eltern gelangt? Wie haben dich ihre Eigenschaften geformt? Wir suchen also nun nach deinen persönlichen Glaubenssätzen, welche du dann in den Kopf des Kindes schreibst.

Negative Glaubenssätze auflösen und erkennen mithilfe der Arbeit zum inneren Kind Teil 2

Dieses erste Ergebnis ist ein Resultat deiner Kindheit und deines inneren Kindes (auch hier ist das Ergebnis aufgrund der Einfachheit kürzer und ausschließlich mit negativen Glaubenssätzen gestaltet worden). Deine positiven und negativen Glaubenssätze haben dich als Kind und in deinem damaligen Verhalten beeinflusst. Doch auch heute spiegelt sich dein inneres Kind wider. Wie bei jedem von uns zeigt es sich auch heute in deinem Verhalten – womöglich auch ganz unbewusst. 

Aus diesem Grund überlegst du dir nun in welchen Verhaltensweisen und Denkmustern du diese Überzeugungen wiederfindest. Wie zeigen sich deine Glaubenssätze aus der Kindheit auch noch heute? Lies dir dafür nochmal die Sätze im Kopf des Kindes durch und mach dir Gedanken, wie sie dich heutzutage noch denken und handeln lassen.

Negative Glaubenssätze auflösen und erkennen mithilfe der Arbeit zum inneren Kind Teil 3

Mithilfe dieser Methoden holst du fest verankerte und dir vielleicht noch unbekannte negative Glaubenssätze aus deinem Unterbewusstsein ins Bewusstsein, an denen wir im späteren Verlauf des Artikels weiter arbeiten können.

Glaubenssätze aus dem Alltag erkennen

Doch nicht nur in deiner Kindheit, sondern auch im Laufe deines Lebens verstecken sich die Ursprünge von negativen Glaubenssätzen, die sich durch (schlechte) Erfahrungen, Vorannahmen, Verallgemeinerungen o.Ä. etablieren können. Deshalb widmen wir uns jetzt deinem „älteren Ich“, um so weitere negative Glaubenssätze ans Licht zu bringen. 

Reflexion der Lebensbereiche

Eine Methode, um negative Glaubenssätze zu erkennen, ist die Reflexion seiner Lebensbereiche – vor allem mit einem Augenmerk auf die, in denen es nicht so gut läuft. Ein erster Indikator, dass sich in einem Lebensbereich negative Glaubenssätze verstecken, ist nämlich, dass man sich in einem Feld tendenziell eher unzufrieden oder blockiert fühlt.

Trotz dieser Unzufriedenheit fällt es einem nur schwer etwas daran zu ändern. Denn genau diese negativen Glaubenssätze und Überzeugungen wirken wie innere Blockaden und hindern eine Veränderung des IST-Zustands.

Für diese Methode nimmst du dir die unterstehenden Lebensbereiche vor und fängst an, sie zu hinterfragen. Überlege, welche potenziellen Überzeugungen und Glaubenssätze du damit verbindest. Was verbirgt sich hinter den einzelnen Bereichen?

  • Selbstbild & Selbstwertgefühl
  • Finanzen
  • Erfolg
  • Freundschaften
  • Familienleben
  • Beziehungsleben und Liebe
  • Träume, Freiheit, Lebensziele & Selbstwirksamkeit
  • Arbeit & Beruf
  • Körper & Gesundheit

Als Beispiel widmen wir uns dem Lebensbereich „Selbstbild & Selbstwertgefühl“. Vielleicht hast du ähnliche Gedanken, wenn du an diesen Lebensbereich denkst:

Ich bin zu dick/dünn.
Ich bin nicht clever genug.
Ich bin nicht schön genug.
Ich darf keine negativen Gefühle zeigen.
Ich bin wertlos.
Ich muss alles perfekt machen.
Ich bin nicht wichtig.
Ich trage an allem die Schuld.
Ich habe nie Glück.
Ich falle anderen zur Last.
Ich muss immer fröhlich sein.
Ich muss alles alleine schaffen.
Ich darf anderen nicht zur Last fallen.
Ich darf nicht ich selbst sein.

Für diese Methode kannst du dich ganz bewusst hinsetzen, dir die nötige Zeit nehmen und dich den unterschiedlichen Lebensbereichen widmen. Doch auch im Alltag kannst du dies für dich im Hinterkopf behalten.

Unsere Emotionen sind hierfür ein äußerst hilfreicher Sensor. Immer wenn du dich schlecht fühlst, können sich in dieser Situation auch negative Gedanken verstecken, die womöglich auf einen negativen Glaubenssatz zurückzuführen sind. Falls du dich also in einer Alltagssituation mal schlecht fühlen solltest, kannst du prüfen, ob sich vielleicht auch hier ein negativer Glaubenssatz verbirgt. 

Vorannahmen, Verallgemeinerungen und Sprichwörter

Um den oberen Punkt noch weiter auszuführen: Glaubenssätze findet man in unterschiedlichsten Vorannahmen, Verallgemeinerungen und Sprichwörter, die man im Laufe eines Lebens für sich angenommen hat. Vielleicht fallen dir solche Sachen auf bei dir auf, die du für dich verinnerlicht hast.

1. Vorannahmen

Wenn du von Beginn an etwas Schlechtes erwartest, steckt mit großer Wahrscheinlichkeit auch ein negativer Glaubenssatz dahinter.

Beispiel: Du gehst mit der Erwartung in eine Gehaltsverhandlung, dass diese sowieso erfolglos sein wird. Hier könnte sich ein negativer Glaubenssatz verbergen bzgl. der eigenen Leistung, der Wertschätzung deines Vorgesetzten oder darüber, ob du überhaupt mehr Geld verdient hast.

2. Verallgemeinerung

Aus einer oder weniger gemachter Erfahrungen leitest du eine Universalformel ab und limitierst dich selbst für die weitere Zukunft.

Beispiel: In deiner letzten – und vielleicht auch ersten – Beziehung hat dein Partner deine Empfindungen und Bedürfnisse nur selten ernst genommen. Auf einmal wird aus einer Person „alle“: „Alle Männer sind Schweine. / Alle Frauen sind Schlampen.“

3. Sprichwörter

In vielen Sprichwörtern verstecken sich meist ganz schöne Nachrichten, Erfahrungen oder „Wahrheiten“. Doch auch wenn sie im Volksmund „bestätigt“ sind, müssen nicht alle stimmen und lassen sich erst recht nicht global auf jeden einzelnen übertragen. Ganz davon abgesehen, sind manche Sprichwörter auch schlichtweg Quatsch. Trotzdem haben wir manch Sprichwörter für uns verinnerlicht oder von ihnen bestimmte Glaubenssätze abgeleitet.

Ein Indianer kennt keinen Schmerz.
Ohne Fleiß kein Preis.
Beiß nicht in die Hand, die dich füttert.
Man muss nur wollen, dann schafft man es auch.
Den Letzten beißen die Hunde.
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
Schuster, bleib bei deinen Leisten.
Wer hoch hinaus will, kann tief fallen.
Lehrjahre sind keine Herrenjahre.
Erfolg macht einsam.
Die Welt ist ungerecht.
Säge nicht an dem Ast, auf dem du sitzt.
Übermut tut selten gut.
Hochmut kommt vor dem Fall.
Geld verdirbt den Charakter.
Wer schön sein will, muss leiden.
Du sollst den Tag nicht vor dem Abend loben.

Das Phänomen des Bestätigungsfehlers

Glaubenssätze können sich auch manchmal durch das Phänomen des Bestätigungsfehlers manifestieren. Ein Bestätigungsfehler ist die menschliche Tendenz zur kognitiven Verzerrung. Es ist die Neigung einer Person, Informationen so auszuwählen, zu ermitteln und zu interpretieren, dass sie die eigenen Erwartungen und Ansichten erfüllen. Also einfach gesagt: Sich Informationen so zurechtzulegen (und andere ggf. sogar zu ignorieren), sodass die eigene Meinung bestätigt wird.

Im spezifischen Fall von negativen Glaubenssätzen kann dies bspw. bedeuten, dass genug Argumente dafür gesucht und gefunden werden, weshalb man sich selber als nicht gut genug sieht. Man sieht all die Fehler und persönlichen Enttäuschungen, die man erfahren hat und hingegen werden all die positiven Dinge ignoriert, weshalb man doch gut genug ist.

Schnell manifestiert sich so ein negativer Glaubenssatz – durch kognitive Verzerrung und Selbstsabotage. Durch den Bestätigungsfehler wird aktiv nach Beispielen gesucht, die das eigene Weltbild bestärken. Gleichzeitig werden die Gegenbeispiele ignoriert.

Vielleicht fällt dir dieses Phänomen auch bei dir selbst auf, wo du dich – vielleicht sogar ganz unbewusst – in ein viel schlechteres Licht stellst, als du eigentlich solltest?

Schritt 2: Negative Glaubenssätze auflösen

Nach dieser intensiven Arbeit, seine Glaubenssätze zu erkennen, widmen wir uns dem letzten Schritt: Negative Glaubenssätze auflösen. Dafür erwarten dich im Nachgang vier verscheiden Methoden, die dir alle dabei helfen können. 

Als Tipp/Methode 0 möchten wir vorweg eines sagen: Du bist dir nun womöglich dem einen oder anderen Glaubenssatz bewusst geworden – ein unglaublich wichtiger Schritt für die weitere Zukunft! Daher solltest du von nun an darauf achten, ob und wann dich im Laufe deines Alltags ein bestimmter negativer Glaubenssatz begegnet und entsprechend handeln lässt. Es ist der erste Schritt in die richtige Richtung sein eigenes Handeln besser nachzuvollziehen, um zu schauen, ob dich ein negativer Glaubenssatz hinsichtlich deines Verhaltens oder Denkens aktiv limitiert. Mache dir klar, wann ein negativer Glaubenssatz für dich wirkt – es ist der erste Schritt diesen Glaubenssatz aufzulösen bzw. zu verändern.

1. Hinterfrage deine negativen Glaubenssätze

Um dir von Anfang des Artikels nochmal folgendes ins Gedächtnis zu rufen: Weshalb kontrollieren uns negative Glaubenssätze so stark? Weil wir an sie glauben. Wir halten es für einen Fakt. Diese inneren Überzeugungen entsprechen für uns der Realität.

Und genau hier möchten wir anknüpfen und stellen diese Überzeugungen nun auf den Prüfstand. Wir durchlöchern unsere negativen Glaubenssätze mit Fragen, um zu schauen, ob diese für uns wirklich Sinn ergeben. Anfangs kann dies ziemlich schwierig wirken, da man sich die meisten Glaubenssätze über Jahre eingeredet hat. Doch trotzdem heißt dies nicht, dass sie der Realität entsprechen müssen.

  • Ist ein Glaubenssatz also wirklich wahr für dich?
  • Ist es immer und für jeden so oder nur für dich?
  • Auf welche Erfahrungen und Ursachen lässt sich dein Glaubenssatz zurückzuführen?
  • Woher willst du wissen, dass dein Glaubenssatz wirklich so stimmt?
  • In welchen Momenten wirkte dein Glaubenssatz? Wie hat er dich denken/fühlen/handeln lassen und hat dies einen berechtigten Grund?
  • Wann hat dich dein Glaubenssatz aktiv gehemmt bzw. dir Steine in den Weg legen wollen?
  • Wie wäre dein Leben ohne diesen Glaubenssatz?
  • Welche Gegenbeweise (und ggf. auch schon eigene Erfahrungen) kennst du bzw. hast du erfahren, die deinen Glaubenssatz nicht bestätigt haben? (Eine wichtige Frage, die wir später nochmals aufgreifen!)

Beispiel Glaubenssatz: „Ich bin machtlos.“

  • Warum glaube ich, dass ich keine Macht habe?
  • Habe ich es überhaupt probiert Selbstverantwortung und -kontrolle zu übernehmen?
  • In welchen Momenten habe ich mir beweisen können, dass ich mich mächtig und selbstbestimmt über mein Handeln gefühlt habe?
  • Wenn andere Menschen den Mut zu Veränderung haben können, warum sollte ich es dann nicht auch können?
  • Selbst wenn nicht immer alles in meiner Macht steht, wie gehe ich mit solchen Situationen um?
  • Welche positiven Eigenschaften (bspw. innere Stärke, Selbstwirksamkeit, Selbstbewusstsein, etc.) besitze ich, die mir gegen diesen Glaubenssatz helfen könne? (= positive Affirmationen)

In einer abgewandelten Form möchten wir uns also den von oben aufgeführten Bestätigungsfehler zunutze machen bzw. ihn in seiner negativen Form ins Kreuzverhör nehmen. 

Ein negativer Glaubenssatz soll uns erstmal beweisen, ob die negativen Überzeugungen in dieser Art auch wirklich Sinn ergeben. Was hat der negative Glaubenssatz zu all den positiven Eigenschaften zu sagen, die ihm entgegenstehen?

2. Negative Glaubenssätze transformieren

Durch Transformationen/Umformulierungen seiner negativen Glaubenssätze kann man es auch schaffen, diesen Überzeugungen etwas an Kraft zu nehmen.

Anstatt, dass negative Glaubenssätze hart, resolut und unveränderbar klingen, kann man sie auch so formulieren, dass sie (zumindest etwas) positiver und veränderbarer für einen wirken, um ihnen so etwas an Macht zu rauben. Diese Vorgehensweise beruht auf dem Framing-Effekt.

Framing bedeutet, dass unterschiedliche Formulierungen einer Botschaft – bei gleichem Inhalt –  das Verhalten des Empfängers unterschiedlich beeinflussen können. Je nachdem wie du deine Botschaft also formulierst – ob positiv oder negativ – wird dessen Inhalt auch verstanden. 

Also einfach gesagt: Ohne den Inhalt unseres Glaubenssatzes zu verändern, verändern wir die Formulierung und enthalten somit einen positiveren Effekt. Wie du es gleich sehen wirst, können schon einfache Anpassungen große Auswirkungen auf die Person besitzen.

Ich kann das nicht → Ich kann das noch nicht.
Ich darf keine Fehler machen. → Ich verzeihe mir noch zu wenig Fehler.
Liebe macht immer unglücklich. → Liebe hat mich bisher unglücklich gemacht.
Ich bin nicht genug. → Ich fühle mich momentan, als wäre ich mir noch nicht gut genug.

Du merkst, dass man mit etwas Veränderung einem negativen Glaubenssatz etwas Wind aus den Segeln nehmen kann. Die transformierten Glaubenssätze wirken weniger ergreifend und so, als dass man sich selbst in Zukunft das Gegenteil beweisen darf – und hoffentlich auch wird.

Sollte dir also mal wieder ein negativer Glaubenssatz präsent werden, achte auf die Formulierung, um dich nicht vollends ihm ergriffen zu fühlen.

Achte auf die richtige Positivität!

Der simple Trick „Verändere einfach einen negativen Glaubenssatz zu einem positiven und denke einfach an das Positive“ ist schlichtweg zu unfundiert und nur das Resultat langer und harter Arbeit. Die vollständige Auflösung eines negativen Glaubenssatzes, zu einem positiven dauert meist Wochen, Monate oder gar Jahre.

Solltest du mit der Zeit den großen persönlichen Erfolg feiern dürfen, einen negativen Glaubenssatz in einen positiven verändert zu haben, solltest du auch hier auf die richtige Formulierung achten: Dein positiver Glaubenssatz sollte in keiner Negation, sondern auch wirklich positiv formuliert werden. Dies ist für die Aussagekraft deines Glaubenssatzes immens wichtig, denn:

Es ist wissenschaftlich belegt, dass unser Unterbewusstsein keine Verneinungen versteht und sich Negationen in unserem Unterbewusstsein dadurch als „Wahrheit“ etablieren.

Negativer Glaubenssatz: Ich bin zu dick.
Falscher positiver Glaubenssatz: Ich bin nicht dick.
Richtiger positiver Glaubenssatz: Ich habe eine schöne Figur.

Negativer Glaubenssatz: Ich falle dir zu Lust.
Falscher positiver Glaubenssatz: Ich falle dir nicht zu Lust.
Richtiger positiver Glaubenssatz: Ich bin bei dir willkommen.

3. Neue Erfahrungen ergeben neue Glaubenssätze 

Wie wir bereits im Artikel erklärt haben, etablieren sich Glaubenssätze mithilfe von Erfahrungen. Deshalb benötigt es neue Erfahrungen, um negative Glaubenssätze aufzulösen bzw. zu verändern. Und dies bedeutet seinen Mut zu fassen, um sich den Kreislauf an wiederkehrender Limitationen der negativen Überzeugungen zu widersetzen.

In den vorherigen Methoden haben wir es bereits geschafft an negativen Glaubenssätzen zu rütteln, sie infrage zu stellen und sie zu entkräften. Doch um einen Glaubenssatz aufzulösen und langfristig von diesen Erfolgen zehren zu können, muss er durch einen neuen und positiven ersetzt werden. Da dies nicht von irgendwoher kommen kann, benötigt es handfeste Beweise – sprich neue und positive Erfahrungen.

Man kann sich tagtäglich aufs Neue einreden, dass man ein selbstbewusster Mensch ist. Diese positiven Affirmationen helfen mit Sicherheit, um das eigene Selbstbild zu verändern. Doch viele solcher Charaktereigenschaften zeichnen sich erst in den Handlungen eines Menschen ab. Es ist nämlich erst das, was wir tun, was unsere Identität wirklich formt.

Den Charakter kann man auch aus den kleinsten Handlungen erkennen.

Lucius Annaeus Seneca (4 v. Chr.- 65 n. Chr.), römischer Philosoph, Dramatiker, Naturforscher, Politiker Tweet

Erst wenn du dich aus deiner Komfortzone traust und einen negativen Glaubenssatz vom Gegenteil überzeugst, ist es dir auch möglich diesen aufzulösen oder ihn in einen positiven zu ändern. Wenn du regelmäßig mutig und selbstbewusst agierst, wird es dir auch möglich sein, dich als einen selbstbewussten Menschen zu sehen.

Ein Sportler nennt sich auch erst dann ein Sportler, wenn er regelmäßig Sport macht. Genauso ist jemand auch erst dann eine Führungskraft, wenn er bei der Arbeit die damit verbundenen Tätigkeiten regelmäßig ausübt.

Kommen wir nochmal zu Lisa. Stell dir mal vor, Lisa gewährt Marc eine Chance. Und es bestätigt sich der erste Eindruck: Marc ist wirklich ein Typ „der guten Sorte“. Lisa wird von ihm nicht enttäuscht oder verletzt. Sie findet in Marc einen aufrichtigen und guten Partner und sammelt positive Erfahrungen, dir ihr helfen, um ihren negativen Glaubenssatz auflösen und ins positive Gegenteil umdrehen zu können.

4. Eine Visualisierung: Der See der Glaubenssätze

Um nun einen persönlichen Startschuss zu setzen, deine negativen Glaubenssätze auflösen zu können, möchten wir uns einer Visualisierungsmethode widmen.

Dafür halte dir ein paar deiner negativen Glaubenssätze vor Augen - wenn möglich, schreib diese auch gerne auf ein Blatt Papier, welches du nach Abschluss dieser Übung sinnbildlich zerreißen, verbrennen oder zerknüllen kannst.

Nun stell dir eine braune, reflektierende Wasseroberfläche eines stinkenden Tümpels vor. In der Reflexion der Wasseroberfläche kannst du in deine Zukunft blicken. Du siehst, wie dein Leben in fünf, zehn und zwanzig Jahren wohl aussehen mag, wenn all deine negativen Glaubenssätze wahr wären und du an ihnen festhältst. Versuche dir ein spezifisches Bild deiner Vorstellungen zu schaffen, wie es in deinen unterschiedlichen Lebensbereichen aussieht und fühle dich in dieses für einen Moment hinein.

Nun bekomme für einen kurzen Moment einen freien Kopf und verabschiede dich von diesem Bild.

Als Nächstes siehst du wiederum einen klaren, wunderschönen, blauen See, auf dessen Oberfläche die Sonne glitzert. Wenn du tief einatmest, fühlst du die Frische der Luft in deiner Lunge. Schaue erneut an die Wasseroberfläche und sehe erneut, wie dein Leben aussehen könnte, wenn all die zuvor negativen Glaubenssätze sich in positive ändern würden. All die Limitationen der schlechten Glaubenssätze lösen sich auf - wie schön, lebendig, erfüllt und zufrieden das Leben sein kann. Gefällt dir dies nicht viel besser?

Mit dieser Visualisierung hat man längst nicht jeden negativen Glaubenssatz aufgelöst. Doch es soll dir zeigen, dass sich all deine aufgebrachte Arbeit lohnen wird, um deine negativen Glaubenssätze aufzulösen und in positive Überzeugungen umzuschreiben – ganz unabhängig davon wie lang es auch dauern mag. Deine Arbeit wird sich auszahlen und kann dich mit einer wundervollen Zukunft beschenken.

Letztlich haben sich Jahre lang viele Glaubenssätze tief in unserer Persönlichkeit verwurzelt – wie bei einem mächtigen, großen Baum, den man nicht so leicht aus dem Erdreich ziehen kann. Ähnlich wie man den Baum, bis auf Weiteres nicht ohne „System“ aus der Erde loslöst, bekommt man auch nicht die negativen Glaubenssätze aus dem Unterbewusstsein eines Menschen. Bleib also geduldig mit dir selbst und lass dich nicht von Rückfällen entmutigen. Irgendwann hast du auch die letzte Wurzel deiner negativen Glaubenssätze gekappt – und hast den Boden dafür vorbereitet, dass für dich nun neue und positive Glaubenssätze wachsen können.

Wir möchten uns bei dir ganz herzlich bedanken, wenn du es bis hierher in unserem Artikel geschafft hast. Wir würden uns freuen, wenn du uns ein Kommentar dalassen würdest oder du gerne über den weiteren DailyMentor Content informiert bleiben möchtest. In ein paar Sekunden kannst du dich in unsere Newsletter eintragen und dann melden wir uns persönlich bei dir.

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